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Biologische Beiträge zum Leib-Seele-Problem. Eine wissenschaftshistorische und -theoretische Untersuchung unter besonderer Berücksichtigung der Molekularen Genetik und Theoretischen Biologie

University of Marburg, Germany

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Title Biologische Beiträge zum Leib-Seele-Problem. Eine wissenschaftshistorische und -theoretische Untersuchung unter besonderer Berücksichtigung der Molekularen Genetik und Theoretischen Biologie
Biological Contribution Toward the Mind-Body Problem. A Scientific, Historical, and -Theoretical Investigation under Special Consideration of Molecular Genetics and Theoretical Biology.
 
Creator Diekwisch, Thomas
 
Subject Analytische Philosophie
Genetik
Leib-Seele Problem
Ontologie
Konstruktivismus
Wissenschaftstheorie
Molecular genetics
Constructivism
Mind body problem
Philosophy of the mind
Theoretical biology
Philosophy
 
Description Ziel dieser Arbeit ist eine wissenschaftshistorische und -theoretische Untersuchung des Leib-Seele Problems. Die drei naturwissenschaftlichen Systeme, auf die sich diese Arbeit bezieht, sind Aristoteles Wissenschaftsphilosophie, v. Uexkülls Theoretische Biologie, und eine Protobiochemie der Molekularen Genetik. In Hinblick auf die Philosophie des Geistes haben wir die Naturgötter der Vor- und Frühgeschichte behandelt, biographische, psychologische, zeitgeschichtliche, und philosophische Hintergründe von Descartes Trennung zwischen Körper und Seele diskutiert, und Martin Heideggers Fundamentalontologie aus der Perspektive von Angst und Sorge analysiert. Zusammen, zufällig oder nicht, sind alle diese Systeme in der Auseinandersetzung zwischen Geist und einer wirklichen, physischen Umwelt entstanden.
Auch in der aktuellen Diskussion des Leib-Seele-Problems bestehen nach wie vor Probleme mit der Reduktion mentaler Konzepte auf physische Ereignisse und mit der Möglichkeit kausaler Geist-Körper-Beziehungen. In unserer wissenschaftstheoretischen Analyse haben wir aufgezeigt, daß das Leib-Seele-Problem vornehmlich als sprachtheoretisches Problem zweier Beschreibungssprachen besteht. Solange wir Phänomene des Geistes aus der wissenschaftlicher Perspektive betrachten, verwenden wir verschiedene Methoden, um das Wesen psychischer und physischer Phänomene zu erkunden, und selbst wenn diese Methoden denselben Gegenstand erforschen, benutzen wir verschiedene Beschreibungssprachen, um unser Wissen zu qualifizieren.
Wir haben darüber hinaus eine begriffliche Trennung zwischen verschiedenen Formen von Geisteshandlungen vorgenommen, insbesondere zwischen (i) Reflexhandlungen, (ii) Sinneswahrnehmungen, und (iii) Bewußtseinszustände und Qualia. Hier argumentieren wir, daß insbesondere im Fall von (iii) nicht die Interaktion mit der Außenwelt noch die neurobiologische Repräsentanz im Vordergrund stehen, sondern die Bewußtseinsleistung an und für sich. Diese Unterscheidung verschiedener Geistesaktivitäten erlaubt uns eine begriffliche Position gegen den reduktiven Materialismus, indem wir argumentieren, daß es in unserer Sprache, Kommunikation, und selbst in unserer Anschauung im Falle von Bewußtszuständen und Qualia nicht um den neurokybernetischen Prozess sondern um das geistige Phänomen geht, das als kognitive Entität an und für sich die Basis für Kommunikation und Reflexion darstellt.
Neben der Zurückweisung des Leib-Seele-Problems aus sprach- und wissenschaftstheoretischer Perspektive ist der Funktionalismus die vielleicht am nächsten stehende Position. Die Attraktivität des Funktionalismus besteht darin, zwei verschiedene Beschreibungssprachen für physische und psychische Phänomene eingeführt zu haben. Im Gegensatz zum Scheinproblem-Ansatz erlaubt der Funktionalismus die Möglichkeit einer psychophysischen Repräsentation. Diese Möglichkeit ist insbesondere attraktiv, wenn wir über psycho-physische Interaktionen reden wollen, wie zum Beispiel in der psychosomatischen Medizin.
Über das methodische Begreifen und Erfassen des Gehirns hinaus stellt sich jedoch auch die Frage nach der Kompatibilität mentaler und physikalischer Ereignisse und nach der Natur des Leib-Seele-Problems. Wir schlagen deshalb einen emergenztheoretischen Multiaspekt-Ansatz vor, um die verschiedenen Wege natur- und geisteswissenschaftlicher Methodik in unsere anschauliche Erfassung des Leib-Seele-Problems und insbesondere des Gehirns einfließen zu lassen. Hier folgen wir Aristoteles Teleologie, Martin Heideggers Fundamentalontologie und Carl Gustav Jungs Konzept des Unus Mundus
indem wir zur Vereinigung physischer und psychischer Vorstellungswelten aufrufen, um eine Seinsverwirklichung zu erzielen, die über isolierte Einzelwissenschaften und Einzelerfahrungen hinaus geht.
Diese Arbeit war von Anfang an nicht nur als Analyse des Leib-Seele-Problems aus der Perspektive der Analytischen Philosophie konzipiert worden, sondern vielmehr als wissenschaftstheoretischer und wissenschaftshistorischer Beitrag zum Leib-Seele-Problem aus der Sicht der Naturwissenschaften. Unsere Kleine Proteobiochemie der Molekularen Genetik hat demonstriert, zu welchem Ausmaß Gene zur Entwicklung und Formbildung der Lebewesen beitragen. Wir haben jedoch auch gelernt, daß genetische Kontrolle Grenzen hat, insbesondere wo Einflüsse der Umwelt, Spontaneität, und psychosomatischen Wechselwirkungen zum Tragen kommen. Über die molekulargenetische Perspektive hinaus haben wir den menschlichen Geist im Kampf zwischen Freiheit, Umwelt, Variabilität, und evolutionshistorisch überlieferter Planmäßigkeit erfahren, und uns ist klar geworden, wie wenig wir über die neurobiologische Natur bewußter Vorgänge wirklich wissen.
The purpose of this dissertation is a science historical and theoretical investigation of the mind body problem. In our approach, we refer to three classic science theoretical approaches based Aristotle, Jacob v. Uexküll, and a proto-biochemistry of molecular genetics that we have conceptionalized for the present thesis. We are also discussing ancient mythology, biographic, psychologic, time historical, and philosophical backgrounds of Descartes's mind body separation. Lastly, we have analyzed Heidegger's fundamental ontology from the perspective of fear and "Sorge".
We are presenting a number of possible approaches, including a rejection of the mind-body problem as such based on the incompatibility of the different languages used to identify mental and physical worlds. We have distinguished three different forms of mental states, including (i) reflex, (ii) sensuality, (iii) states of consciousness and qualia. We are arguing that in case of qualia the neurobiological representation is less important than the state of mind and the communication between various states of mind. We believe that these issues, at least in part, can be resolved in functionalist approaches by defining a grammar between physical and mental languages.
A unique feature of our approach is our emergence-theoretical multiaspect kaleidoscope, in which we allow for a multitude of practical approaches toward the mind-body problem, including psychosomatic, neurobiological, physical, chemical and others. Together, these approaches will resolve our understanding of physical and mental phenomena through constructivist actions. In our overall direction, our approach is in synchronicity with Aristoteles entelechia, Martin Heideggers fundamental ontology, and Carl G. Jungs concept of the Unus Mundus, in which we call for a unification of physical and mental worlds toward a state of being above isolated sciences and experiences.
A last aspect of this dissertation includes a protobiochemistry of molecular genetics, in which we investigate the philosophical basis of our molecular knowledge of development and form. While appreciating the enormous progress of molecular genetics in the recent decades, we are also realizing the limits of molecular control, especially regarding environmental influences, spontaneity, and psychosomatic interactions. These insights limit our understanding of the neurobiological nature of conscious phenomena.
 
Publisher Philipps-Universität Marburg
Fachbereich Gesellschaftswissenschaften und Philosophie. Philosophie
 
Date 2004
 
Type Thesis.Doctoral
 
Identifier urn:nbn:de:hebis:04-z2005-01242
http://archiv.ub.uni-marburg.de/diss/z2005/0124/
 
Language ger
 
Rights http://archiv.ub.uni-marburg.de/opus/doku/urheberrecht.php