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Vom Verschwinden des Subjekts : eine historisch-systematische Untersuchung zur Solipsismusproblematik bei Wittgenstein

University of Konstanz, GERMANY, KOPS

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Title Vom Verschwinden des Subjekts : eine historisch-systematische Untersuchung zur Solipsismusproblematik bei Wittgenstein
About the disappearing subject. An investigation of the problem of solipsism in Wittgenstein's philosophy
 
Creator Birk, Andrea
 
Subject Wittgenstein, Ludwig / Lectures, Cambridge, 1930-1932
Wittgenstein, Ludwig / Lectures, Cambridge, 1932-1935
Wittgenstein, Ludwig / Tractatus logic
Wittgenstein, Ludwig, Philosophical Investigations
Wittgenstein, Ludwig, Tractatus logico-philosophicus
Philosophy
 
Description Die vorliegende Arbeit untersucht die Frage, ob und wenn ja wann Wittgenstein Solipsist war. Der Standardinterpretation, nach der Wittgenstein im Tractatus eine solipsistische Position vertrete, die er dann in den Philosophischen Untersuchungen verwerfe, werden heute extremere Ansichten entgegengehalten: Wenn die Einen behaupten, Wittgenstein sei nie Solipsist gewesen, meinen anderen, er habe Zeit seines Lebens eine solipsistische Auffassung vertreten. Derartig divergierende Urteile kommen vor allem deshalb zustande, weil der Philosoph den Terminus Solipsismus nicht immer eindeutig verwendet. Manchmal, besonders in der Spätphase, scheint er das einsame Ich der idealistischen Tradition zu meinen, das, die Welt ausgrenzend, nur von sich selbst behauptet, es existiere. Andere Male, hauptsächlich in der Frühphase, denkt er wohl eher an eine Form des Solipsismus, bei dem das Subjekt die Distanz zur Welt aufhebt, diese eingrenzt, zu meiner Welt macht und dabei die existentielle Frage nach dem richtigen Verhältnis von Ich und Welt angemessen zu beantworten sucht.
Die Zielsetzung der Arbeit besteht darin zu zeigen, dass Wittgenstein sich mit den kritische Bemerkungen aus dem Spätwerk gegen die erkenntnistheoretische Position des ausgrenzenden Solipsismus wendet, die er selbst nie eingenommen hat, und dass er im Tractatus eine eingrenzende Form des Solipsismus vertritt, die er in der Zwischenphase schrittweise modifiziert. Dadurch verliert diese Position in den Philosophischen Untersuchungen schließlich den Ausschließlichkeitscharakter, der ihr ursprünglich zugestanden wird, erhält jedoch eine neue Bedeutung als weltanschauliches Bild.
Die Untersuchung gliedert sich in drei Teile: Im I. Teil geht es vor allem um die Darstellung der spezifischen Form des Solipsismus in der Frühphilosophie, um den historischen Hintergrund, vor dem sie verständlich wird, sowie um ihre sprachphilosophische Aufarbeitung im Rahmen des logisch-analytischen Denkens, dem Wittgenstein in jungen Jahren verpflichtet ist. Der II. Teil behandelt die Zwischenphase, die sich nicht nur als eine Suche nach einem neuen Sprachverständnis gestaltet, sondern auch als ein ständiges Bemühen um eine angemessene Antwort auf die existentielle Frage nach dem richtigen Verhältnis von Ich und Welt. Dabei ändert Wittgenstein seine Position bezüglich des Solipsismus wiederholt: Dem anfänglichen Versuch, den Solipsismus phänomenologisch zu retten, folgt eine eher kritische Phase im Rahmen der Überlegungen des Big Typescript, die jedoch kurze Zeit später ganz entscheidend modifiziert wird in der Übergangsarbeit zur Spätphilosophie, dem Blauen Buch. Der III. Teil ist den Philosophischen Untersuchungen gewidmet, in denen Wittgenstein sich darum bemüht, den unterschiedlichen Facetten, die der Terminus Solipsismus philosophiehistorisch aufweist, im Rahmen seines neuen therapeutischen Philosophiekonzepts gerecht zu werden. Einerseits spricht er sich dabei im sogenannten Privatsprachenargument gegen die epistemische Variante des nur um sich selbst wissenden Subjekts aus, andererseits setzt er ganz deutliche Zeichen dahingehend, dass er der eingrenzenden Form des Solipsismus in eingeschränkter Form eine nicht zu unterschätzende Bedeutung zuspricht, die vor allem an den Überlegungen zur übersichtlichen Darstellung (PU 122) und zum visuellen Zimmer (PU 398) festgemacht werden können.
Was Wittgenstein a solipsist? Different interpreters of his work give completely divergent answers to that question. There is the traditional answer that Wittgenstein puts forward a solipsistic position in the Tractatus which he abandons later, in the Philosophical Investigations. But there are also two more extreme interpretations: one that Wittenstein never was a solipsist, neither in the Tractatus nor in the Philosophical Investigations; the other is, that the philosopher was always a solipsist, not only in his earlier but also in his later philosophy.
The divercency of opinions is in part Wittgenstein's own fault because the significance he gives to the word solipsism, is not constant during his philosophical development. Sometimes, especially in the later philosophy, he seems to mean the solitary ego of the idealistic tradition, that asserts Only I exist emphasing the distance between the ego and the world. Sometimes, especially in the early philosophy, Wittgenstein means a different type of solipsism in which the subject cancels the boundaries between itself and the world, seeing then the world as my world. In the Tractatus this view of the world is strictly related to the existential question of seeing the world aright.
In my thesis I want to show that Wittgenstein in his later philosophy criticizes the epistemological solipsism he never defended before, and that he defends in his earlier philosophy a type of solipsist view of the world as my world he never completely abandons later. Between 1929-36 Wittgenstein modifies the position renouncing more and more to its exclusive importance as the only right view of the world. Finally, in the later philosophy solipsism becomes an metaphysical picture or a metaphor which expresses an personal attitude or even a Weltanschauung.
The thesis is divided in three parts: Part I describes the specific form of solipsism in the Tractatus, its historical background and the analytical frame in which Wiitgenstein puts all of his thought in the early philosophy. Part II treats the time between 1929-36 when Wittgenstein tries to find a new concept of language and moreover an actual answer to his old existential question regarding the right view of the world. His concept and opinion of solipsism changes continuously. At the beginning he wants to save solipsism as a phenomenological position, later, in the Big Typescript he becomes quite critical about, and finally, in the Blue Book, he develops the base for the solipsism which is defended in the Philosophical Investigations. Part III shows Wittgenstein's opinion of solipsism on the background of his later concept of philosophy as therapy. In the Philosophical Investigation there are two main arguments: one is the private language argument, which is Wittgenstein's critic of the epistemological form of solipsism, and the other is developed in the paragraphs about the overview (PI 122) and about the visual room (PI 398) where Wittgenstein gives to his old solipsistic thought a new therapeutic form.
 
Publisher Universität Konstanz
Fachbereich Philosophie. Fachbereich Philosophie
 
Date 2004
 
Type Thesis.Doctoral
 
Format application/pdf
 
Identifier urn:nbn:de:bsz:352-opus-14386
http://kops.ub.uni-konstanz.de/volltexte/2005/1438/
 
Language ger
 
Rights http://kops.ub.uni-konstanz.de/doku/urheberrecht.php