Record Details

Das Glück der Gerechten : eine Interpretation der platonischen Politeia

University of Konstanz, GERMANY, KOPS

View Archive Info
 
 
Field Value
 
Title Das Glück der Gerechten : eine Interpretation der platonischen Politeia
Happiness and Justice. An Interpretation of Plato's Republic
 
Creator Kim, Su-Yeong
 
Subject Glück
Eudämonismus
Plato
politeia
Moral
Moralisches Handeln
Ethik
Gerechtigkeit
Lust
gut
Wollen
Happiness
Plato
Justice
Republic
Pleasure
Philosophy
 
Description 1. Die Frage nach dem Verhältnis zwischen Gerechtsein und Glück ist die Frage nach dem Sinne der Politeia überhaupt. Die platonische Politeia beginnt mit der herausfordernden Ansicht Thrasymachos, das Gerechtsein sei ein fremdes Gut, daher nichts anderes als das dem Stärkeren Zuträgliche. Diese Auffassung bezüglich des Verhältnisses zwischen Gerechtsein und Gutsein wird am Anfang des Buches II von Glaukon und Adeimantos aufgegriffen und mit feineren begrifflichen Mitteln weiter expliziert. Das Gerechtsein sei nach der allgemeinen Ansicht ein Gut, das ausschließlich um seiner Folgen willen erstrebenswert ist. Um die unmittelbare Glückszuträglichkeit des Gerechtseins zu beweisen, muss Platon daher zeigen, dass das Gerechtsein um seiner selbst willen erstrebenswert ist.
Um dies zeigen zu können, ist es nötig, die Frage zu beantworten, wie das Gute bzw. das Glück inhaltlich zu bestimmen ist. Was ist das Glück? Es wird bei Platon grundsätzlich aus zwei verschiedenen Blickwinkeln zum Gegenstand philosophischer Reflexion: Einerseits aus der Perspektive des Wollens und andererseits aus der Perspektive der Lust. Erstens lebt man glücklich, wenn man seine vernünftigen Wünsche frei erfüllt. Das Glück ist die Befriedigung des vernünftigen Wollens. Ferner lebt man glücklich, wenn man ein wahrhaft lustvolles Leben führt. In diesem Sinne ist das Glück selber etwas Lustvolles. Platon will uns zeigen, dass der Gerechte, nicht der Ungerechte, in diesem doppelten Sinne glücklich lebt.

2. In Buch IV versucht Platon, das Gerechtsein als eine harmonische Befriedigung der verschiedenen inneren Willensregungen der Menschen zu definieren. Damit kann Platon aber nicht endgültig beweisen, dass der Gerechte im boulematischen Sinne glücklich lebt, weil diese Charakterisierung des Gerechtseins und der damit verbundene Glücksbegriff notwendigerweise zum Problem des Wissens führen: Das Gerechtsein im platonischen Sinne ist kein psychischer Zustand, in dem unterschiedliche Begierden harmonisch befriedigt werden, sondern eher eine dynamische Hexis, in der das Logistikon als das Wissen oder als der Besitzer des Wissens stets seine Herrschaft in der Seele ausübt. Insofern der Inhalt des Wissens nicht genau identifiziert wird, sind Platons Charakterisierung des Gerechtseins als eine Art Harmonie und die damit verbundene Gesundheits-Analogie bloß vorläufige Versuche, das Glück der Gerechten zu beweisen.

3. Die Frage, ob das Gerechtsein uns die vernünftige Befriedigung des Wollens und die wahre Lust gibt, kann daher im Grunde genommen nur anhand der Frage beantwortet werden, wie sich das menschliche Glück zum Wissen und zur Lust verhält. Dieses Problem behandelt Platon in seinen Diskussionen über die Idee des Guten in den Büchern V, VI und VII. Da meint er zunächst, dass das wahre Glück weder mit Wissen noch mit Lust identisch ist. Was ist dann aber seiner Meinung nach das Glück?
Platon gibt es in der Politeia auf, das Wesen des Wissens und seines Gegenstandes weiter zu untersuchen. Dies mag enttäuschen, aber es ist wahr. Die einzige Aufgabe für ihn ist deshalb, zu zeigen, dass der Gerechte nicht im boulematischen Sinne, aber im hedonistischen Sinne glücklich lebt. Dieser Beweis für die wahre Lust des Gerechten wird endlich in Buch IX mit den Lust-Beweisen geliefert. Platon behauptet hier, dass die Philosophen als die vollkommen Vernünftigen, daher die vollkommen Gerechten, glücklich leben, weil sie das in Wahrheit lustvolle Leben führen.
Letzten Endes sind aber bei Platon die zwei inhaltlichen Bestimmungen des Glücks das boulematische und das hedonistische Glück nicht zwei verschiedene Glücksbegriffe. Die Lust ist etwas, so die Vorstellung, was die Befriedigung des Wollens mit sich bringt. Die beiden Bestimmungen des Glücksbegriffes sind folglich zwei Seiten einer und derselben Medaille. Diese Auffassung Platons scheint jedoch nicht besonders gut begründet zu sein. Wenn der Gegenstand des Wissens der Philosophen nicht hinreichend bestimmt wird, kann man nicht behaupten, dass die Philosophen ihre Begierden vernünftig befriedigen und daher glücklich leben. Alles in allem kann man die Auffassung Platons hinsichtlich des Verhältnisses zwischen Gerechtsein und Glück, wie sie sich in der Politeia zeigt, als einen hedonistischen Eudämonismus charakterisieren.

4. Kein anderer platonischer Dialog zeigt so viele Verweise innerhalb des Buches wie die Politeia. Platon scheint das Buch über eine lange Zeit überarbeitet zu haben. Er hat sich große Mühe gegeben, die vielfältigen philosophischen Argumente in dem Buch konsequent durchzuführen und sie damit in eine klare Einheit zu bringen. Um seine Behauptung über das Glück der Gerechten zu begründen, hat Platon alle möglichen philosophischen Themen behandeln müssen: Da findet man seine Moralphilosophie, politische Philosophie, Sozialphilosophie, Ontologie, Epistemologie, Wissenschaftstheorie, philosophische Anthropologie bis hin zur Ästhetik. Das ist nicht ein Zeichen für den philosophischen Ehrgeiz, alle wichtigen philosophischen Themen in einem Buch systematisch darzustellen, sondern nur dafür, wie gründlich und konsequent er seinen mühsamen philosophischen Versuch fortgesetzt hat, die Grundlage der Moral auf der Basis des menschlichen Glücks zu errichten.
Trotz seiner Mühe ist es unvermeidlich, den Schluss zu ziehen, dass die Politeia im Grunde eine unvollendete Symphonie geblieben ist, weil sie über eine wichtige Seite des menschlichen Glücks, nämlich über die Problematik des Wollens und Wissens, keine substantielle Untersuchung bietet.
1. The question about the relationship between justice and happiness is the question about the sense of the Republic at all. The Republic begins with the provocative opinion of Thrasymachos: The justice is anothers good, therefore nothing else than the advatage of the stronger. This view concerning the relationship between justice and goodness is taken up at the beginning of the book II by Glaucon and Adeimantus and explained with fine conceptual means. In the general opinion the justice is a good, which is worthwhile exclusively for the sake of its consequences. In order to prove the direct relationship between justice and happiness, Plato must therefore show that the justice is worthwhile for the sake of itself.
In order to show this, it is necessary to answer the question about the content of the good and the happiness. What is the happiness? In Platos Republic it is the subject of philosophical reflection from two different points of view: On the one hand from the perspective of desire and on the other hand from the perspective of pleasure. First of all one lives happily, if ones desires can be freely satisfied. The happiness is the satisfaction of the reasonable desires. Furthermore one lives happily, if one leads a trueful pleasant life. In this sense the happiness is something pleasant. Plato wants to show us that the just people, not the unjust, live happily in this double sense.

2. In book IV Plato tries to define the justice as a harmonious satisfaction of different desires. But he can not prove that the just in this sense live happily, because this characterisation of the justice leads necessarily to the problem of the knowledge: The justice in the Platonic sense is not just a psychological condition, in which different desires are satisfied harmoniously, but rather a dynamic hexis, in which the reason as the owner of the knowledge always exercises its rule in the soul. If the contents of the knowledge are not identified exactly, Platos characterisation of the justice as a kind of harmony and his health analogy are only provisional attempts of proving the happiness of the just.

3. The question, whether the justice gives us the reasonable satisfaction of desires and true pleasures, can be answered therefore only on the basis the inverstigation of the relationship between happiness and knowledge and pleasure. This problem treats Plato in his discussions about the idea of the good in the books V, VI and VII. Plato says that the happiness is identical neither to pleasure nor to knowledge. What then is the happiness? But in the Republic he gives up to examine the nature of knowledge and its object. This may be disappointing, but it is true. The only task for him is therefore to show that the just live happily not because of the reasonable satisfaction of desires, but because of true pleasures. This proof for the true pleasure of the just is finally given in book IX. Plato argue here that the philosophers lead happy lives, because they lead true pleasant lives.
The two definitions of the happiness in Plato are not entirely different ones. The pleasure is something which the satisfaction of the desire brings with itself. Therefore the two characterisations of the happiness are two sides of the same medal. But this view of Plato does not seem to be well justified. In so far as the object of the knowledge of the philosophers is not sufficiently determined, one cannot state that the philosophers satisfy their desires reasonably and therefore lead happy lives. We can describe the view of Platos Republic regarding the relationship between justice and happiness as hedonistic eudamonism.

4. No other Platonic dialogue shows as many references within the book as the Republic. Plato seems to have revised the book over a long time. In order to justify his claim about the relationship between justice and happiness, he had to treat all possible philosophical topics: There we find his moral philosophy, political philosophy, social philosophy, ontology, epistemology, science theory, philosophical anthropology and aesthetics. That is not an indication for his philosophical ambition to represent all important philosophical topics in a book but only for the fact how he thoroughly and consistently continued his laborious philosophical attempt to establish the basis of the morality on the human happiness. Despite his effort it is inevitable to draw the conclusion that the Republic is an unfinished symphony, because it does not offer substantial investigation of the important element of the human happiness, i.e. the problem of the desire and the knowledge.
 
Publisher Universität Konstanz
Fachbereich Philosophie. Fachbereich Philosophie
 
Date 2005
 
Type Thesis.Doctoral
 
Format application/pdf
 
Identifier urn:nbn:de:bsz:352-opus-23167
http://kops.ub.uni-konstanz.de/volltexte/2007/2316/
 
Language ger
 
Rights /doku/lic_ohne_pod.php